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In der Übersicht finden Sie die ersten 1-2 Absätze eines jeden Artikels, sortiert nach Erstellungsdatum, - den neuesten also jeweils als ersten.

Shira

Die Entscheidung für Shira fiel nach einem langen Auswahlprozess. Genau genommen war es eigentlich ein Ausschlussverfahren. Nach Mimis Tod wollte ich mir mit einem neuen Hund Zeit lassen, wollte im Grunde mal wieder probieren wie es ist, nur einen Hund zu haben.

Shira dekorativ auf einem FellMit Nicoline gab es diesbezüglich kein besonderes Problem. Im Gegensatz zu Mimi ließ sie nicht erkennen dass sie sich als Einzelhund nicht wohl fühlte. Und so ließ ich mir mit der Suche nach einem weiteren Hund recht viel Zeit. Klar war mir nur, dass ich diesmal einen kleineren Hund wollte, keinesfalls aber einen Terrier. Und zu klein sollte er auch nicht sein so dass im Grunde nicht sehr viel Auswahl übrig blieb. In der Zwischenzeit mehrten sich die Anzeichen dafür dass auch Nicoline das Alleinsein nicht so recht schätzte. War ich allein mit ihr, fiel mir nichts besonderes an ihr auf. Sie war fröhlich und gefräßig wie immer. Aber wenn sie dann mal Gelegenheit hatte mit anderen Hunden zusammen zu sein, dann hatte ich den Eindruck dass sie regelrecht auflebte. Es wurde also doch recht bald klar, dass wieder ein zweiter Hund ins Haus musste. Aber was für einer, das war die Frage.

Wie viel Hunde sollen es denn sein ?

Ein, zwei oder auch mehrere Hunde, diese Frage stellt sich wohl für jeden der über ein geeignetes Umfeld zur Haltung mehrerer Hunde verfügt. Einige Erfahrungen und Gedanken hierzu: * Ich habe schon den Eindruck dass sich Hunde zu mehreren einfach wohler fühlen. Vermutlich ist das Leben dann für sie einfach weniger langweilig. Sicherlich ist dies aber auch wesentlich von der Rasse, der primären Sozialisation und den gewohnten Lebensumständen abhängig. * Die Beziehungen unter den Hunden ersetzen keinesfalls die zu uns Menschen. Wer meint sich einen zweiten Hund anschaffen zu müssen weil er zu wenig Zeit für seinen Hund hat, hat im Ergebnis zwei und nicht einen unglücklichen Hund. * Einen einzelnen Hund nimmt man wohl in der Regel überallhin mit, bei zweien wird das schon schwieriger, bei mehreren wohl manches mal unmöglich. Im Ergebnis bleiben wohl mehrere Hunde öfters allein zu Hause als ein einzelner. * Ein erwachsener Hund kann bei der Erziehung eines jungen Hundes ungemein hilfreich sein. So hat z.B. Mimi Nicoline sehr schnell beigebracht dass die Lebensmitteltüten im Kofferraum des Autos tabu sind. Dass sie aber auch Unarten tradieren sei allerdings auch nicht verschwiegen. * Sicherlich ist die Bindung zwischen Hund und Mensch bei mehreren Hunden weniger eng als dies bei einem einzelnen der Fall ist. Es dürfe von dem Stellenwert der Hunde im eigenen Leben abhängen ob dies als Vorzug oder Nachteil zu werten ist. * Mehrere Hunde sind in gewisser Weise interessanter da eine weitere Dimension hinzukommt, die der Interaktion unter den Hunden. Spaziergänge sind weit lebendiger und unterhaltender, manches mal auch chaotischer. Und im täglichen Ablauf ist einfach "mehr los"

. Für Katzen soll gelten dass man niemals mehr haben sollte als Hände zum streicheln da sind. Vielleicht gilt für Hunde ähnliches.

Einige Rassen, die mir auf den ersten Blick ganz gut gefielen, wurden verworfen weil sich bei näherer Auseinandersetzung mit ihnen mehr oder weniger schwerwiegende Gesundheits- und/oder Wesensprobleme abzeichneten. Als ich dann das erste Mal auf eine Abbildung von einem Japanspitz stieß blätterte ich zunächst uninteressiert weiter, denn ein Spitz kam nach den Erfahrungen mit Tara für mich eigentlich nicht mehr in Frage. Aber irgendwann blätterte ich doch wieder zurück und die Frage war dann: warum eigentlich nicht ?

 Die Informationen, die ich dann im Lauf der Zeit über diese Rasse fand klangen interessant und stellten den Japanspitz als eher wenig typischen Vertreter der Spitzgruppe dar, der vor allem nicht so viel bellen sollte. Die Erklärung dafür klang plausibel: Im dicht besiedelten Japan als sehr verbreitete Rasse häufig gehalten macht sich ein Spitz mit der üblichen Belllust sicherlich nicht beliebt. Eine Rückfrage bei einer mir noch aus Wolfspitzzeiten bekannten Züchterin bestätigte das gelesene. Auch wenn ich die zu erwartende Subjektivität der passionierten Züchterin bedachte, blieb immer noch genug an positiven Informationen übrig um schließlich die Entscheidung zugunsten eines Japanspitzes zu treffen. Einigen Berichten gegenüber blieb ich dennoch skeptisch. Ein selbstreinigendes Fell sollten die Spitze haben (Tara hatte sicher keines) und angeborener weise so folgsam sein dass man grundsätzlich keine Leine braucht (- naja, wer's glaubt ...).

Damit begann aber zunächst einmal noch eine längere Wartezeit, denn Japanspitze sind in Österreich nicht sehr häufig und von den zwei Züchterinnen plante nur eine und die erst in einiger Zeit einen Wurf. Nicoline musste also noch einige Monate als Einzelhund verbringen. Dann kam aber eines Tages der ersehnte Anruf - die Welpen sind da und es gibt eine Hündin. Im Alter von fünf Wochen besuchte ich die Kleine das erste Mal und es war nicht schwer von ihr begeistert zu sein. Weißer Wuschelpelz mit schwarzen Knopfaugen und ein Welpe der es sich friedlich auf meinem Schoß bequem machte. Drei Wochen später zog sie dann bei uns ein. Mit Nicoline gab es kein Problem. Sie bezog Shira sofort in ihre allumfassende Zuneigung zu allem Lebendigem mit ein und Shira verhielt sich korrekt und geschickt. Und das blieb auch so.

Recht bald machte ich die Erfahrung, dass man Informationen von Züchtern durchaus einmal glauben kann. Shiras Fell ist wirklich selbstreinigend. So unglaublich es klingt, aber selbst wenn sie nach einem längeren Spaziergang bei Gatschwetter aussieht wie durch einen Kanal gezogen - nach spätestens zwei Stunden ist das Fell ganz von alleine wieder blütenweiß. Und das mit dem Gehorsam stimmt - zumindest bei Shira - auch. Sie ist im Normalfall immer schon da noch bevor man sie ruft. Die einzige disziplinäre Maßnahme die ich bei ihr einmal setzen musste war sie kurz hochzuheben. Das war als sie als ganz kleiner Hund bei einem Spaziergang etwas ganz ganz leckeres, das ich aber ganz und gar nicht lecker fand, fressen wollte. Als ich es ihr dann wegnehmen wollte knurrte sie mich an. Ich hob sie kurzerhand hoch und nahm ihr dann das "Gammelzeug" weg was sie offenbar so beeindruckte dass die Dominanzfrage ein für allemal geklärt war. Die einzige Gelegenheit bei der sie lange Zeit aktiven Ungehorsam geübt hat war die Hasenjagd. Auch da sind Japanspitze anders als andere Spitze. Shira jagte mit Begeisterung und gab ihrer Freude durch lautes Lustgeschrei unverkennbaren Ausdruck. Gottseidank jagte sie nur auf Sicht und wenn der Hase in einem Feld verschwunden war kam sie auch sofort wieder zu mir zurück. Inzwischen ist sie älter geworden und als wir vor ein paar Tagen bei einem Spaziergang einen Hasen aufgescheucht haben hat sie nach kurzem Überlegen beschlossen sich die Mühe der Hasenjagd nicht mehr anzutun.

Und dann gibt es da noch die Sache mit den Katzen. Im Gegensatz zu allen meinen anderen Hunden kann Shira Katzen nicht ausstehen. Sie tut ihnen nichts, aber wann immer sich ihr eine Gelegenheit bietet, verjagt sie sie. Und das mit großem akustischem und pantomimischem Aufwand. Mit einer einzigen Ausnahme nehmen die Katzen sie aber nicht besonders ernst. Höflichkeitshalber laufen sie weg, aber ich denke sie betrachten das ganze eher als ein etwas seltsames Spiel.

Natürlich hat auch Shira ihre Schattenseiten. Die meisten davon im gesundheitlichen Bereich denn da ist sie eine typische Vertreterin der Klein- oder Zwergrassen. Als ich sie kaufte wurde mir erklärt dass ihre Eltern HD-frei sind, was mich zwar nicht störte aber auch nicht sonderlich interessierte. HD ist nun einmal bei einer so kleinen Rasse nicht das primäre Problem. Sonst gab es über ihre Eltern keine Gesundheitsinformationen. Als Shira etwa ein halbes Jahr alt war untersuchte ich das erste Mal ihre Kniescheiben und ich hatte keine besondere Mühe sie auf beiden Seiten aus ihrer normalen Position heraus zubewegen. Eine später durchgeführte korrekte Screeninguntersuchung bestätigte meinen Befund. Shira hatte Patellaluxation, auf einer Seite Grad 1 auf der anderen Seite Grad 2. Damit war auf jeden Fall einmal jeder Gedanke daran mit ihr zu züchten abgehakt. Sie zeigt auch gelegentlich die typische Symptomatik der Patellaluxation. Ein paar Schritte auf drei Beinen, kurzes Wegstrecken des luxierten Hinterbeines und dann läuft sie normal weiter. Alles bis jetzt nicht wirklich schlimm, aber vielleicht wäre es besser, wenn die Züchter auf eine HD-Untersuchung verzichten würden und statt dessen die Zuchttiere auf Patellaluxation screenen würden.

Shiras Augen, dunkel umrandetShira hat noch ein zweites Problem das für Zwerghunde typisch ist. Ihre Luftröhre und ihr Kehlkopf sind zu wenig fest gebaut und das führt dazu dass sie immer wieder mal, besonders in Stresssituationen, zu wenig Luft bekommt. Bisher sind diese Anfälle immer nur kurz gewesen und hatten auch keine Folgen aber nach den Informationen aus der Literatur wird dieses Problem mit zunehmendem Alter (und auch mit zunehmendem Gewicht) schlimmer. Nun ja, gegen das Fortschreiten des Alters kann ich nicht viel machen, aber zumindest das Zunehmen des Gewichtes werde ich zu verhindern wissen was nicht ganz einfach ist, denn Shira ist - man kann es kaum anders bezeichnen - gefräßig. Und es ist viel schwieriger einen kleinen Hund schlank zu halten als einen großen.

Zu Menschen verhält sich Shira wie ein typischer Spitz. Sie ist zurückhaltend ohne aber auch nur eine Spur aggressiv zu sein. Fremde werden in jedem Fall verbellt, allerdings bei weitem nicht in dem Ausmaß wie ich es von Tara kannte. In der Zeit, als sie noch täglich mit auf meinen Arbeitsplatz kam war es etwas zermürbend wenn sie jeden, aber auch wirklich jeden, der mein Zimmer betrat laut und anhaltend ankündigte. Gespräche waren immer erst nach zwei bis drei Minuten möglich. Im Gegensatz zu Tara bellt Shira aber wirklich nur wenn sie einen Grund dafür hat. Und heute ist es in erster Linie die Postbotin, die von ihr unüberhörbar angekündigt wird.

Mit anderen Hunden, auch größeren kommt Shira gut aus was sicherlich auch mit ihrer Sozialisation zusammenhängt. Ich habe immer darüber gelacht wenn Besitzer kleiner Hunde ihren Zwerg hochheben sowie nur ein größerer Hund naht. Heute weiß ich dass dieses Verhalten fast instinktmäßig und reflektorisch abläuft. In unserem Ort gibt es eine Familie mit zwei Afghanen. Als wir diese bei einem der ersten Spaziergänge mit Shira trafen habe ich meine Hände festhalten müssen um die Kleine nicht hochzuheben. Der Anblick der zwei Riesen, die im Galopp auf das kleine weiße Hundebaby zurasten, war einfach zu erschreckend. Aber es ist nichts passiert. Shira hat sich verhalten wie sich ein Welpe verhalten soll und die beiden großen Rüden haben sich verhalten wie sich erwachsene Hunde verhalten sollen und nach kurzer Zeit waren die drei gute Freunde.

Shira und Dela im Schnee Ihre hundlichen Mitbewohner hat Shira gut im Griff. So klein sie ist, so durchsetzungsfähig ist sie. Mit Nicoline hatte sie wohl eine Art "Gentlemans Agreement". Nicoline akzeptierte Shira in fast allen Situationen als Alpha-Hund. Es gab zwei Ausnahmen. Die eine war der Fressnapf, die andere war das geliebte Stöckchenspiel. Und beides wurde wiederum von Shira akzeptiert. Es war ganz faszinierend zu beobachten, wie Shira, wenn sie doch einmal früher bei dem geworfenen Stöckchen war, ihr Tempo reduzierte und Nicoline sozusagen den Vortritt ließ. Und auch Dela wird von Shira (noch??) dominiert. Beim Toben auf der Pferdekoppel zeigt ihr Dela zwar immer wieder dass sie körperlich schon die stärkere ist, aber wenn es um wichtige Dinge wie den Fressnapf oder Kauknochen geht pocht Shira unerbittlich auf ihre Alpha-Stellung. In einer Situation zeigt sie allerdings Kulanz. Das ist wenn ich abends nach Hause komme. So sehr sich Shira offensichtlich freut dass ich wieder da bin, so lässt sie doch Dela bei der Begrüßung den Vortritt und lässt es widerspruchslos zu dass ich mich zuerst ausführlich mit Dela befasse. Wenn ich mich aber dann ihr zuwende und sie begrüße, dann hat Dela keine Chance mehr. Wenn sie mir dann zu nahe kommt, wird sie böse angeknurrt.

Die Rassengruppe der Spitze hat es ja (gottseidank) nie geschafft in Mode zu kommen. Und wenn man die Folgen für die sogenannten Moderassen bedenkt, dann haben sie wohl Glück gehabt. Wenn sie aber mangels Nachfrage aussterben würden, wäre das wohl doch ein schwerwiegender Verlust.

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